Spielhilfen

Saxophon spielen macht Spaß.
Jedoch jeder Spaß geht flöten, wenn sich das Gewicht des Saxes wie ein Mahlstein um den Hals hängt und einem sprichwörtlich den Nacken krümmt und sich Schmerzen einstellen. Bei vorgeschädigter Halswirbelsäule kann das sogar bis zum Bandscheibenvorfall gehen. Um diese Probleme zu vermeiden, bzw. trotz Beschwerden im Nackenbereich weiterspielen zu können, muss dieser Bereich entlastet werden.
Es gibt verschiedene Gurtsysteme zu kaufen, die das Gewicht ähnlich einem Rucksack auf die Schultern verteilen.
Ist aber die Wirbelsäule schon so sehr geschädigt, dass auch ein Schultergurt keine ausreichende Entlastung mehr bringt, muss man das Saxophon entweder am Körper so aufhängen, das die Belastung nicht mehr im Wirbelsäulen/Schulterbereich stattfindet, oder das Sax unabhängig vom eigenen Körper befestigen.

Zu diesem Zweck habe ich mir als ersten ein Gestell gebaut, das das Gewicht auf die Hüften verlagert. Wie ich zugeben muss, stammt die Idee dazu aber nicht von mir.
Ein solches Tragegestell kann man unter dem Namen "Freeneck" im Saxophon Fachhandel käuflich erwerben. Aber zum Einem bastel ich halt gern und zum Anderen kann man es beim Selbstbau, seinen körperlichen Gegebenheiten auch individuell sehr gut anpassen.

Als erstes werden zwei Rohre benötigt, die rechts und links der Wirbelsäule verlaufen und dieser in ihrer Krümmung angepasst sind.
Ich habe dafür 2 Messingrohre mit 8mm Durchmesser und 1mm Wandstärke auf ca. 70cm abgelängt. Diese wurden dann mit der Lötlampe rotglühend erhitzt. Nach dem abkühlen hab ich dann beide gleichzeitig über mein Knie gelegt und in ungefähre Form gebogen.

Es keine gut Idee das Biegen im Schraubstock zu erledigen, weil das Rohr dann leicht knickt.
Um die Rohre zu biegen benötigt man nicht viel Kraft und man sollte eher feinfühlig vorgehen. Durch das Erhitzen bleiben die Rohre auch noch viele Stunden lang relativ weich, selbst zwei Tage später haben die Rohre noch längst nicht ihre Endfestigkeit erreicht.


Dann wurden die Verbindungsteile, welche die beiden Rohre später zusammenhalten sollen zugesägt und auch die beiden Messingrundstäbe (4mm Durchmesser) an denen dann der Saxophongurt befestigt wird.




Auch die kurzen Rundstäbe wurden mit einer Lötlampe zum Glühen gebracht und anschließend mit Hilfe einer Kombizange im Schraubstock gebogen.




Sodann wurden alle Einzelteile mit Silberlot und Lötlampe zusammen gefügt.
Danach dann die Hauptrohre auf ihre endgültige Länge gebracht und direkt am Körper noch passgenau zurechtgebogen.

Ein alter Sicherheitsgurt aus dem Auto dient als Hüftgurt. Mit dem Lötkolben hab ich ein paar Löcher eingebrannt, in die Messingplatte an der gleichen Stelle gebohrt und den Gurt dann mit Gewindeschrauben und Muttern an der Messingplatte befestigt. Darüber dann ein bischen Moosgummi und mit Lederresten verkleidet, so dass die Schrauben nicht drücken können und fertig ist das ganze Gestell.

Die nächsten zwei Tage habe ich dann noch öfter die Rohre hie und da ein wenig gebogen, damit auch wirklich bequemes Saxophon spielen mit Spielzeiträumen von über 3 Stunden möglich ist. Der einzige Nachteil dieses Tragegestells ist, dass man sich damit nicht anlehnen kann. Das heißt in den Spielpausen ist es nicht möglich sich mal eben schnell aufs Sofa zu flezen, ohne den Gurt abzunehmen.

Aus diesem Grund (weil ich so gerne Pause mach :-) hab ich mir noch einen Spielständer gebaut. Hier liegt das Saxophon auf dem Ständer, ohne dass man am Körper irgendeinen lästigen Gurt oder ein Gestell tragen muss.

Wobei gebaut eigentlich nicht ganz richtig ist, denn ich habe einfach das Unterteil eines Schlagzeughockers und das Oberteil eines handelüblichen Saxophonständers zusammen gebracht. Um den für meine Spielweise richtigen Winkel des Saxophons auf dem Ständer hinzukriegen brauchte ich mir nur ein Messingblech zurechtbiegen um es als Zwischenstück zu verwenden.



Auch wenn es weniger professionell aussieht, habe ich lieber darauf verzichtet die beiden Teile miteinander zu verschweißen oder zu schrauben. Die drei Beine des Saxständers sind lediglich mit Klettband umschlossen.

Auf diese Weise kann ich in Sekundenschnelle die beiden Teile wieder ihrer ursprünglichen Funktion zuführen, falls just mal ein Hocker oder normaler Saxständer benötigt wird.

Mit diesem Ständer ist es leider nicht möglich sich beim Spielen allzuviel zu bewegen und expressives, freies Spiel mit mehr als Fußklopfen und ein wenig hin und her wiegen wird durch den Ständer gehemmt. Deshalb benutze ich ihn nur, wenn ich Stücke langsam Takt für Takt einübe.

Eine weitere gute Möglichkeit den Nacken zu entlasten, ist das Abhängen des Gurts von der Zimmerdecke. Dafür benötigt man nur ausreichend lange Leine und einen Holzrundstab, um den Gurt über dem Kopf ausreichend zu spreizen, damit man sich nicht erwürgt. Eine stabile Zimmerdecke, an der man einen tragfähigen Haken befestigen kann, ist natürlich auch Voraussetzung.
Leider konnte ich an der entsprechenden Position in der Decke, unter der Holzverkleidung keinen Balken finden, weshalb ich die Konstruktion nach ein paar Tagen wieder abgebaut habe, weil ich befürchtete das die Deckenverkleidung das Gewicht des Saxes nicht aushält. Mit dieser albtraumhaften Befürchtung war dann leider kein entspanntes Spielen mehr möglich.Obwohl mir diese Lösung prinzipiell sehr gut gefallen hat.
Die Bewegungsfreiheit ist wesentlich weniger eingeschränkt als mit dem Spielständer. Naja, der Nachteil ist, dass man immer an der ungefähr gleichen Stelle im Zimmer spielen muss, wenn man sich nicht gleich eine aufwendige, an der Decke verschiebbare, Konstruktion entscheidet.

Mit der Kombination von Spielständer und "Freeneck" ähnlichem Gurt für die verschiedenen Spiel- und Übesituationen bin ich nun aber zufrieden und Beschwerden an der Halswirbelsäule haben jetzt ihre Ursache nicht mehr beim Saxspiel und ich kann trotz Beschwerden weiterhin spielen